Auftakt der Öko-Aktionswochen 2026
Landwirtschaft, Politik und Bio-Netzwerk treffen sich auf dem Hochstetterhof bei Biberach
Wie können wir unsere Lebensmittelversorgung unabhängiger machen? Welche Rolle kann der Ökolandbau dabei spielen? Und was braucht es, damit Bio nicht nur ökologisch überzeugt, sondern auch für die Betriebe wirtschaftlich funktioniert?
Mit diesen Fragen sind am 14. September 2026 die Öko-Aktionswochen Baden-Württemberg gestartet. Für die offizielle Eröffnung ging es dorthin, wo Landwirtschaft nicht nur diskutiert, sondern jeden Tag gemacht wird: auf den Hochstetterhof bei Biberach an der Riß.
Gastgeber war Bio-Landwirt „Bauer Heini“. Mit dabei waren Vertreter:innen aus Landwirtschaft und Bio-Netzwerk, Kommunalpolitik sowie Landwirtschaftsministerin Marion Gentges. Wir von Erntezeit haben den Auftakt mit der Kamera begleitet.
Bio erleben statt nur darüber reden
Seit 2020 bilden die Öko-Aktionswochen einen gemeinsamen Rahmen für Veranstaltungen rund um Ökolandbau und Bio-Lebensmittel in Baden-Württemberg. 2026 laufen sie vom 12. September bis 31. Oktober. Landwirtschaftliche Betriebe sowie Unternehmen aus Verarbeitung und Gastronomie öffnen ihre Türen und laden dazu ein, ökologische Erzeugung, regionale Produkte und vor allem die Menschen dahinter kennenzulernen.
Und genau darum ging es auch beim Auftakt auf dem Hochstetterhof.
Nach den ersten Gesprächen auf dem Hof begann der offizielle Teil mit Stimmen aus Ministerium, Landkreis, Stadt, Landwirtschaft und Bio-Netzwerk. Anschließend wurde aus dem Reden über Landwirtschaft wieder Landwirtschaft zum Anfassen: Bauer Heini nahm die Gäste mit über seinen Betrieb – vom Gemüseanbau über das Maislabyrinth bis zum Hofladen.
Wie unabhängig ist unser Essen?
Ein Thema zog sich besonders durch den Tag: Wie widerstandsfähig ist unsere Lebensmittelversorgung?
Landwirtschaftsministerin Marion Gentges verwies dabei auf geopolitische Veränderungen und die Folgen des Klimawandels. Aus ihrer Sicht müsse die Ernährung unabhängiger und die Landwirtschaft widerstandsfähiger werden. Dem Ökolandbau schrieb sie dabei eine wichtige Rolle zu.
Das Land bezeichnet die Öko-Aktionswochen zugleich als Teil seines Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“.
Besonders weit geht ein Vorhaben, über das Gentges auf dem Hochstetterhof sprach: Die Landesregierung will Ernährungssouveränität als Ziel in die Landesverfassung aufnehmen. Auch wenige Tage später bekräftigte Gentges öffentlich dieses Vorhaben und verband es mit der Bedeutung heimischer Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.
Und was sagt derjenige, der jeden Tag auf dem Hof steht?
Für Bauer Heini beginnt die Geschichte noch viel persönlicher.
Die Entscheidung für den Ökolandbau habe bei ihm selbst einmal einen regelrechten „Schalter umgelegt“. Gleichzeitig weiß er, dass Veränderung für landwirtschaftliche Betriebe nicht einfach ist.
Seine Perspektive: Wenn es gelingt zu zeigen, dass ökologische Landwirtschaft nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch wirtschaftlich funktionieren kann, könnten noch viele weitere Landwirt:innen für diesen Weg gewonnen werden.
Genau an diesem Punkt treffen sich an diesem Tag zwei Welten: politische Ziele und die Realität eines landwirtschaftlichen Betriebs.
Ein Hof als Ort der Begegnung
Dass ausgerechnet der Hochstetterhof für den Auftakt ausgewählt wurde, passt zum Gedanken der Öko-Aktionswochen. Ministerin Gentges bezeichnete Bauer Heini als Botschafter für regionalen Ökolandbau; AÖL-Vertreter Hans Bartelme hob hervor, wie wichtig offene Höfe dafür seien, Verständnis für Landwirtschaft und die Entstehung unserer Lebensmittel zu schaffen.
Denn Bio wird verständlicher, wenn man sieht, wo Lebensmittel wachsen. Wenn man mit den Menschen spricht, die sie anbauen. Und wenn Politik, Landwirtschaft, Verbände und Verbraucher:innen miteinander ins Gespräch kommen.
Die Öko-Aktionswochen gehen weiter
Der Auftakt auf dem Hochstetterhof war nur der Anfang. Noch bis 31. Oktober 2026 finden in Baden-Württemberg Veranstaltungen rund um Ökolandbau und Bio-Lebensmittel statt – von Hofführungen und Betriebsbesichtigungen bis zu Workshops und weiteren Aktionen.